Fachkraft für Inklusion

Zertifikatskurs zur gemeinsamen Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung

Alle Kinder - mit und ohne Behinderung - wollen dazugehören, spielen, lernen und Spaß haben. Die Kita ist der erste gemeinschaftliche Lebensort, der Kindern für ihre Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnissen offen steht. Inklusive Pädagogik will die wachsende Vielfalt der Lebensbedingungen und die Individualität der kindlichen Entwicklung ernst nehmen und anerkennen, und dabei das allen Gemeinsame in einem sozialen Miteinander gestalten.

Diese Weiterbildung umfasst 20 Tage und besteht aus einzelnen thematisch abgeschlossenen, aber aufeinander abgestimmten Modulen. Die Umsetzung in die Praxis wird durch ein Lerntagebuch mit Praxisaufgaben, eine zweitägige Hospitation und die Präsentation eines inklusiven Lernprozesses unterstützt. Die erfolgreiche Teilnahme an der gesamten Fortbildung, die Bearbeitung der Lernaufgaben sowie die Präsentation in einer Abschlussveranstaltung werden mit einem Zertifikat mit der Bezeichnung "Fachkraft für Inklusion" bescheinigt.

Dieser Zertifikatskurs richtet sich an Mitarbeitende, die die erforderlichen fachlichen und persönlichen Kompetenzen für die gemeinsame Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung stärken und weiter entwickeln wollen.  Dabei wird Inklusion in einen weiten Horizont gestellt und die unterschiedlichen Perspektiven des Kindes, der Eltern, der Fachleute und aller anderen Beteiligten einbezogen. Als "Fachkraft für Inklusion" können Sie am Ende sinnvolle Inklusionsprozesse initiieren und planen, kompetent begleiten und reflektieren, in Team bringen und kooperativ gestalten.

Modul 1: Vielfalt bunt gestalten - Einführung in die inklusive Pädagogik (18.09. - 21.09.2018)

Inklusion umfasst eine bildungspolitische Aufgabe, eine rechtliche Verpflichtung, ein finanzielles Förderinstrument, eine allgemeinpädagogische Herausforderung und eine gesellschaftliche Vision. Das erste Modul dient der Einführung und der Auseinandersetzung mit den Grundlagen inklusiver Pädagogik.

  • Welche Ziele verfolgt die inklusive Pädagogik? Was kennzeichnet die pädagogische Professionalität? Welche rechtliche Grundlage gibt es?
  • Welche Formen von Handicaps / Behinderung gibt es? Welche Entwicklung ist möglich? Wie wirkt sich die Behinderung im Alltag des Kindes, der Gruppe und der Familie aus?
  • Welche spezifischen pädagogischen Förderansätze gibt es? Und wie werden sie im Kita-Alltag umgesetzt?
  • Wie beziehe ich das Team mit ein? Und wo sind die Grenzen der Inklusion? Welche Rolle übernimmt die "Fachkraft für Inklusion"?

Down-Syndrom und Autismus werden vertieft besprochen. Gebärdenunterstützte Kommunikation GuK, das TEACCH-Konzept und das Förderprogramm ‚Kleine Schritte‘ werden vorgestellt.

Referentin: Marion Schwermer

Modul 2: Spiel- und Lerngestaltung (26.11., 27.11.2018)

Die gesetzliche Forderung nach Inklusion und deren geforderte Umsetzung stellen viele Erziehende und Einrichtungen vor die gleichen Fragen:
  • Veränderung der Räumlichkeiten - in wie weit?
  • Spielmöglichkeiten für Kinder mit Behinderung?
  • Entwicklung von Kindern mit Behinderung?
  • Gelingen der Partizipation?

Innerhalb des Moduls sollen die Teilnehmenden Ideen entwickeln, Teilschritte in ihrer eigenen Einrichtung bezüglich der Umsetzung der Inklusion zu verwirklichen. Die beiden Hospitationstage, die innerhalb der Zertifikatsfortbildung durchgeführt werden, sollen dazu beitragen, Anregungen zu gewinnen und diese dann umzusetzen.

Die Teilnehmenden werden auf die Hospitationstage vorbereitet und einen Fragenkatalog entwickeln, der ihnen beim Hospitieren wie ein „roter Faden“ zur Seite steht. In Modul 5 wird auf die Hospitationstage noch einmal besonders eingegangen.

Referentin: Petra Opschondek

Modul 3: Mit allen Sinnen – Bewegungsstörungen, Sensorische Integrationsstörung, psychomotorische Förderung, Basale Stimulation (2019)

Sensorische Integration ist der Vorgang des Ordnens, des Verarbeitens und der Nutzbarmachung sinnlicher Eindrücke aus Umwelt und Körper. Das Integrieren sensorischer Reize ermöglicht uns mit der Umwelt in Kontakt zu sein, uns mit ihr auseinanderzusetzen und uns darin sicher und angemessen zu verhalten. Störungen im Ablauf dieser alltäglichen, essentiellen Prozesse wirken sich auf motorischer, kognitiver, emotionaler und kommunikativer Ebene aus.

Ziel dieses Seminars ist die Vermittlung und das Selbsterfahren von Inhalten, die zum besseren Verständnis für das Verhalten betroffener Menschen beitragen und zugleich entwicklungsorientierte Lösungspotentiale aufzeigen.
Wichtige Stichworte im Hinblick auf diese Zielsetzung sind:
  • physiologische Grundlagen der sensorischen Integration;
  • die Basissinne;
  • Voraussetzungen für Wahrnehmung und Entwicklung;
  • Störungsbilder erkennen und Erscheinungsbilder verstehen;
  • Grundlagen der SI-Therapie sowie
  • Fördermöglichkeiten und Vorbereitung auf die Schule.
Es werden beispielhafte Therapievideos demonstriert und die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, Fallbesprechungen oder -videos einzubringen.

Referent: Andreas Heimer

4. Modul: Entwicklung und Elternpartnerschaft (2019)

Die Beobachtung der kindlichen Entwicklung steht heute oft im Fokus pädagogischer Arbeit. Die pädagogische und multiprofessionelle Einschätzung des Entwicklungsstandes lassen die Verschiedenheit der Entwicklungsverläufe deutlich werden. Dies verändert auch die Zusammenarbeit mit den Eltern, die oft genauso herausfordernd ist wie die inklusive Arbeit mit allen Kindern. Mit einem anderen Blick auf die Eltern sollen neue Perspektiven der Erziehungspartnerschaft in der Inklusion aufgezeigt und sensible Elterngespräche eingeübt werden.

  • Welche psychologischen und pädagogischen Aspekte beschreiben die kindliche Entwicklung?
  • Was passiert in der Entwicklungsdiagnostik? Wobei kann sie helfen?
  • Welche pädagogischen Aufgaben ergeben sich aus den Entwicklungsauffälligkeiten? Was bedeuten Resilienz und Diversity?
  • Wie kann eine gelungene Erziehungspartnerschaft aussehen? Wie gelingen helfende Gespräche?
  • Wie gewinnt man Verständnis für Ängste, Unsicherheit, Widerstände?
  • Wie gehe ich um mit schwierigen Eltern, anderen Welten und konfliktreichen Themen?

Referentin: Marion Schwermer

Modul 5: Konzeptionelle Gestaltung (2019)

„Bei uns sind alle Kinder willkommen.“ Reicht diese Aussage in der pädagogischen Konzeption, um inklusiv in der Kita zu arbeiten bzw. sich auch nach außen als Einrichtung darzustellen, in der Kinder mit Behinderung Bildung, Betreuung und Förderung erfahren. In diesem Modul sollen Fragen wie:

  • Was verbirgt sich hinter dem inklusiven Ansatz?
  • Welche Formen der Dokumentation werden genutzt, um allen Kindern in der Einrichtung gerecht zu werden?
  • Wie werden Übergänge gestaltet?

Anhaltspunkte und Ansätze darlegen, die helfen, sich auch konzeptionell auf den Weg zu machen. Die Verinnerlichung der Haltung zur Inklusion spielt hierbei eine tragende Rolle. Ebenso werden in diesem Modul die Erfahrungen und Ergebnisse der beiden Hospitationstage der Teilnehmenden ausgewertet.

Referentin: Petra Opschondek

Modul 6: Sprachentwicklung und integrative Sprachförderung (2019)

Um die Kinder in ihrer Sprachentwicklung gut begleiten und unterstützen zu können, reicht es nicht aus, sich nur um Eckdaten der regelgerechten Sprachentwicklung zu kümmern. Erst das Verständnis für die Komplexität der Sprachentwicklungsprozesse sowie die Erfahrung des Stellenwertes einer einfachen Kommunikation lassen uns den Kindern – mit und ohne Behinderung – ganzheitlicher und echter begegnen. Dabei entdecken wir, wie schön und bewusstseinserweiternd unser Bedürfnis ist, gemeinsam mit anderen Professionen auf die Entwicklung und Förderung einzelner Kinder zu schauen und weitere Fragen zu klären:

  • Wie hängen die Entwicklungen des Bewegungsapparates mit der Sprachentwicklung zusammen?
  • Sagt das Kind nur dann etwas, wenn es spricht?
  • Müssen wir mehr mit den Kindern üben?

Referentin: Mechthild Laukötter

Modul 7: Unterstützung organisieren (2019)

Inklusion geht nur mit Unterstützung. Ausgehend vom Bedarf aller Kinder wird überlegt, wie die eigenen Ressourcen in der Kita, die Ressourcen des Familiensystems und die Ressourcen des Hilfesystems entdeckt und für die anstehenden Entwicklungsschritte sinnvoll eingesetzt werden können. Hilfe- und Förderplanung werden als pädagogisches Arbeitsinstrument vorgestellt.

  • Wie erkennt man die Unterstützungsbedarfe der Kinder und deren Familie? Wie kommt man darüber mit Kolleginnen, Eltern und Fachkräften ins Gespräch?
  • Wen kann man wofür ansprechen? Wie verändert sich die berufliche Rolle durch die Kooperation im Netzwerk?
  • Woran erkennt man erfolgreiche Inklusion? Wie kann eine Evaluation der inklusiven Pädagogik aussehen?
  • Wie achtet man auf die eigenen Grenzen? Wie arbeitet man mit begrenzten Ressourcen? Wo beginnt die Überforderung, und wie schafft man Entlastung?

Referentin: Marion Schwermer

Abschlusstag für Teilnehmende, deren Leitungen, Referentinnen und Referenten sowie weiteren Gästen (2019)

Mit einem Rückblick auf den Weg der Lerngemeinschaft endet die Fortbildung. Als "Fachkraft für Inklusion" präsentieren die Teilnehmenden einen Schritt ihres Lernprozesses; zum Abschluss werden die Zertifikate überreicht.


Anmelde-Status
Frei – Anmeldung möglich
Kurs Nr.
23218-212
Hinweise
Die Rate für 2019 beträgt: 658,00 EURO und 868,00 EURO für externe Teilnehmende
Ort
Prälat-Boskamp-Haus, Georgstraße 18, 50676 Köln
Datum
18.09., 19.09., 20.09., 21.09., 26.11., 27.11.2018
Uhrzeit
09:00 - 16:00 Uhr
Kostenfreie Abmeldung bis
14.08.2018
Anmeldeschluss
11.09.2018
Teilnehmende (max.)
18
Zielgruppe
Alle pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Kosten für Mitarbeitende
282,00
Kosten für Externe
372,00
Anmerkungen Kosten
Rate 2018
Anmerkungen für Externe
Rate 2018
Referent/in 1
Marion Schwermer
Profession
Diplom-Psychologin, Supervisorin (DGSv), Theologin, Organisationsentwicklerin
Referent/in 2
Petra Opschondek
ECTS-Punkte
3,2